- Es gibt derzeit Gerüchte über einen möglichen Neustart von FTX, die sich auf beglichene Anwaltskosten stützen.
- Aller Spekulationen zum Trotz müsste für einen Neustart noch jede Menge juristisches Unterholz beseitigt werden.
Der Zusammenbruch der FTX Derivatives Exchange, der einstigen Mega-Kryptobörse, die von Sam Bankman-Fried mitgegründet wurde, hat bei Kunden und Anlegern auf der ganzen Linie immense Verluste und herbe Enttäuschung verursacht. Während es zu Beginn des Konkursverfahrens keine realistische Hoffnung gab, dass die Börse nach den Milliarden-Verlusten wieder reanimiert würde, scheint genau das heute möglich zu sein.
Einem Bericht von Bloomberg zufolge haben die Anwälte, die die Börse beraten haben, der Firma Gebühren für ihre Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Neustart in Rechnung gestellt. Die Summe beläuft sich auf 13,5 Millionen Dollar für Februar, und die Gebühren beinhalten Zahlungen für die Zusammenarbeit mit Partnern, die angeblich dabei helfen können, die Neustart-Pläne umzusetzen.
Es ist nach wie vor unklar, ob die Führung der Börse den Neustart der Handelsplattform in Angriff nehmen wird. Allerdings hat Konkursverwalter John Ray, der das Unternehmen im Moment leitet, solche Pläne enthüllt, wobei sein Ziel jedoch in der Hauptsache darin besteht, den Aktionären und Gläubigern den größtmöglichen Schadensersatz zu erstatten. Deswegen sind die Hürden, die vor einem Neustart zu nehmen wären, zum jetzigen Zeitpunkt noch sehr hoch.
Die Konkursverwaltung der Börse hat 7,3 von den mehr als 11,3 Milliarden Dollar, die sie den Anlegern derzeit schuldet, gesichert. Während die Begleichung dieser Summe eine der ersten großen Herausforderungen sein wird, denen sich das Unternehmen bei den geplanten Bemühungen um die Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs stellen muss, ist die Bewältigung der künftigen regulatorischen Anforderungen eine andere Sache.
Obwohl die Handelsplattform nicht unter der Beobachtung der US-Börsenaufsicht SEC steht, könnte eine Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs die SEC auf den Plan rufen, die alle Kryptobörsen in letzter Zeit offenbar genau beobachtet.
FTX-Neustart könnte Kunden verunsichern
Als FTX Konkurs anmeldete, gab das Unternehmen an, zwischen 100.000 und einer Million Gläubiger zu haben, von denen die meisten bis heute nicht ausgezahlt wurden. Obwohl die Kunden des japanischen Zweigs der Börse wieder Zugang auf ihre gesperrten Gelder zurückerhalten, da die Tochtergesellschaft eine der wenigen solventen Einheiten war, kommen Kunden der Muttergesellschaft weiterhin nicht an ihr Geld.
Solange die Rückzahlung an diese Kunden nicht abgeschlossen oder weitgehend abgewickelt ist, wird ein FTX-Neustart wohl ins Leere laufen. Wer wird so wahnsinnig sein, einer Börse sein Geld anzuvertrauen, die vor weniger als einem halben Jahr eine Milliardenpleite hingelegt hat und deren Gläubiger bis heute in die Röhre gucken? Da stoßen auch Alkohol und Spielsucht an ihre Grenzen.
Die Bemühungen um einen Neustart von FTX werden wahrscheinlich zwei verschiedene Maßnahmen umfassen. Die erste könnte darin bestehen, den Nutzern die Möglichkeit zu geben, ihr Geld abzuheben. Dies wird einfach sein, aber die Bemühungen, die Börse für den vollen Geschäftsbetrieb zu starten, könnten Komplikationen mit sich bringen, die schwer zu bewältigen sein werden. Daniel Tramel Stabile, Partner bei der Anwaltskanzlei Winston & Strawn LLP, sieht es so:
„Wenn wir von einem Neustart – einem Reboot – sprechen, ist nicht ganz klar, was sie im Sinn haben. Es könnte sich um einen Neustart im Sinne einer Wiedereröffnung der Börse mit einem begrenzten Zweck handeln, um Vermögenswerte von der Börse zu nehmen.“

