- Die 60-Tage-Korrelation von Bitcoin zum S&P 500 liegt derzeit bei 0,6 und damit auf einem der höchsten Niveaus, nachdem sie vor weniger als einem Jahr noch nahe Null lag.
- Investoren glauben die Behauptung „Bitcoin ist ein sicherer Hafen“ nicht mehr. Kein Wunder: Der russische Überfall auf die Ukraine beherrscht die Schlagzeilen, und es ist der Goldpreis, der in die Höhe schiesst, nicht der Bitcoinkurs.
Der von Russland provozierte Konflikt ist zum Krieg geworden. Vordenker der Kryptowirtschaft haben sich auf die Seite der Ukraine gestellt und Präsident Wladimir Putin für sein Handeln kritisiert. Der Konflikt hat die Frage aufgeworfen, ob Bitcoin wirklich ein sicherer Hafen ist. Er stürzte vor ein paar Tagen zusammen mit Aktien und Anleihen ab und liegt nun wieder etwas im Plus, während der S&P 500 an Fahrt gewinnt. Die Anleger fragen sich nun: „Was nützt eine Absicherung, wenn sie nicht funktioniert, wenn man sie braucht?“
In den letzten Tagen hat Bitcoin fast 10 Prozent zugelegt und notierte bei Redaktionsschluss mit 38.550 Dollar.
Dies geschah nach einer harten Woche, in der die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine zu einem Einbruch bei den meisten globalen Vermögenswerten führten, auch bei Bitcoin. In den letzten Tagen hat sich der S&P 500 jedoch erholt und schielt auf 4.300, da die Risikobereitschaft nach Hinweisen auf einen Waffenstillstand zwischen den beiden osteuropäischen Nationen zurückkehrt.
Heute hat die 60-Tage-Korrelation von Bitcoin mit den Aktienindizes ein Rekordhoch bei 0,6 von einem möglichen Wert von 1 erreicht. Vor einem Jahr lag die Korrelation fast bei Null, und laut Noelle Acheson, der Leiterin der Abteilung Marktbeobachrung bei Genesis Trading, zeigt dies, wie sehr sich der Markt verändert hat.
Callie Cox von eToro bemerkte
„Kryptowährungen entwickeln sich langsam zu einem institutionellen Markt. Sie haben sich von einer spekulativen Anlage zu einem Investitionsinstrument entwickelt.“
Philip Gradwell, der leitende Wirtschaftswissenschaftler von Chainalysis, sagte kürzlich in einem Interview:
„Wir haben gelernt, dass die Erzählung vom digitalen Gold zu sehr an dem Substantiv „Gold“ und nicht genug an dem Attribut „digital“ ausgerichtet war. Die Leute denken, dass Bitcoin knapp und daher ein Inflationsschutz wie Gold ist, aber das ist er eindeutig nicht. Heute Morgen wurde der Nagel im wahrsten Sinne des Wortes in diesen Sarg geschlagen.“
Gold war zum Zeitpunkt der Krise der sichere Hafen und der Goldpreis stieg auf einen Höchststand, den es seit sieben Monaten nicht mehr gegeben hatte.
Dass Bitcoin in seiner Rolle als Absicherung gegen makroökonomische Turbulenzen versagt, ist bezeichnend. In der jüngsten Vergangenheit haben Bitcoin-Maximalisten dagegen argumentiert, Bitcoin als Währung zu betrachten und sich für seine Verwendung als Wertanlage ausgesprochen.
Mark Cuban, der exzentrische Besitzer der Dallas Mavericks und ein Tech-Veteran, ist einer derjenigen, die Bitcoin anfangs kritisiert haben, sich aber in den letzten Jahren der Branche angeschlossen haben. Er erklärte, dass er immer gegen Bitcoin gewesen sei, weil die Community ihn als Währung bezeichnete. Er habe sich der Branche erst angeschlossen, als Bitcoin als sichere Anlage gesehen wurde, sagte er.
Cuban ist nicht allein, und viele Wall Street-Giganten sind erst an Bord gekommen, nachdem Bitcoin als Vermögenswert behandelt und sogar reguliert wurde. Und mit seiner Korrelation zu Aktien und deren Indizes besteht die Gefahr, dass er diesen Vorteil verliert und die Anleger sich für andere, traditionelle Anlagen entscheiden.

