- Bitcoin fiel am Sonntag bis auf $86.074: Dünne Liquidität, Stopps unter $88.000 und ein Long-Flush beschleunigten die Abwärtsbewegung.
- Auslöser war ein plötzlicher Sprung der Shutdown-Wahrscheinlichkeit auf Polymarket; dazu kamen hohe Liquidationen und ein defensives TradFi-Sentiment.
Der Bitcoin Kurs ist am Sonntag, 25. Januar, auf bis zu $86.074 gefallen, nachdem der Kurs am Samstag noch grob um $89.900 pendelte und zum Tagesschluss knapp über $89.000 lag. Der Rückgang von rund 4 Prozent über das Wochenende wirkte zunächst wie ein klassischer „Weekend-Flush“, hatte aber klar identifizierbare Auslöser aus Makro- und Derivatemärkten.
Warum ist der Bitcoin Kurs gefallen?
Der Auslöser kam aus Washington: Auf Polymarket sprang die Shutdown-Wahrscheinlichkeit für Ende Januar binnen Stunden deutlich nach oben. Auf X wurde der Sprung überwiegend als kurzfristiger Belastungsfaktor für Bitcoin interpretiert. Jim Bianco schrieb:
„Die Grafik unten zeigt die Polymarket-Wette auf einen weiteren Government Shutdown am 31. Januar. Sie ist heute von 9% auf 74% gestiegen – als Reaktion auf die Border-Patrol-Schießerei in Minneapolis. Der Gedanke ist, dass dieses Ereignis die Senatsdemokraten ermutigen könnte, die Verabschiedung per Filibuster zu blockieren (und damit die Regierung zu schließen), um ICE/CBP zu entfinanzieren oder deren aktuelle Mission deutlich zu verändern.“

Zur Einordnung: Eine „Continuing Resolution“ am 12. November beendete den seit dem 30. September laufenden Shutdown, sie läuft allerdings am 30. Januar aus. Das Repräsentantenhaus habe den nächsten Budgetschritt am 22. Januar verabschiedet, im Senat sei die Passage zuvor als Formsache gehandelt worden, „aber jetzt gibt es Fragen“, ob die Dynamik kippt; zusätzlich könne ein großer Wintersturm Rückreisen von Senatoren verzögern und den Zeitplan weiter komprimieren.
Zerohedge (@zerohedge) schrieb via X: “Bitcoin-Algos brauchten 24 Stunden, um die Nachricht vom Shutdown zu erhalten.” Lekker Capital CIO Quinn Thompson kommentierte daraufhin:
“Habe gestern und letztes Wochenende dasselbe gesagt. Das zeigt die Apathie in [Bitcoin], dass es so lange dauert, auf offensichtlich schlechte Nachrichten zu reagieren. In beiden Fällen hatte ich fast den ganzen Tag Zeit, um eindeutig negative Nachrichten zu shorten. Seltsames Marktverhalten. Gibt es denn keine Verkäufer mehr?”
Die News traf auf das typische Wochenend-Setup: dünne Orderbücher und geringe Liquidität. Mit dem Bruch der $88.000er-Zone griffen Stopps; zudem kam es zu Liquidationen am Derivate-Markt.
Laut Coinglass summieren sich die Liquidationen in den letzten 24 Stunden auf $750,77 Mio., davon $579,27 Mio. Longs und $171,50 Mio. Shorts. Hierbei entfielen $274 Mio. auf ETH, $207 Mio. auf BTC, $64 Mio. auf SOL sowie rund $60,6 Mio. auf weitere Tokens. Ein eindeutiger „Long-Flush“: Liquidationen zwingen zu Verkäufen, die als Marktorders in die fallende Bewegung laufen und sie weiter antreiben.

Gleichzeitig kippte das Sentiment an den TradFi-Märkten: Aufgrund der Unsicherheiten aus den USA schwächten sich Futures ab, Gold profitierte erneut und stieg erstmals über $5.000 (erneutes Rekordhoch).
Hinzu kommt eine Woche voller marktbewegender Ereignisse, darunter die Marktreaktionen auf die 100% Canada Zölle-Androhung von Trump und auf die gestiegenen Shutdown-Chancen, der Fed-Zinsentscheid samt Pressekonferenz am Mittwoch, die Quartalszahlen von Microsoft, Meta und Tesla am Mittwoch sowie Apple am Donnerstag und die PPI-Inflationsdaten für Dezember am Freitag. In solchen „Risk-off“-Momenten wird Bitcoin oft mitverkauft.
Bitcoin Erholung nachhaltig?
Am heutigen Montag gab es zwar eine Erholung bis $88.424 (Intraday-Hoch), trotzdem bleibt das Setup fragil. Der renommierte deutsche YouTuber Furkan Yildirim ordnet den Bounce so ein: „Futures-CVD (orange): zuletzt flach/seitwärts – die Derivate liefern wenig zusätzlichen Kauf-Flow. Spot-CVD (grau): zuletzt mit klar positiver Steigung – der Bounce wird vom Spotmarkt getragen. Open Interest: nach dem Flush leicht erholt und seitwärts – vorsichtiger Neuaufbau, kein aggressives Risk-on.“

Für die kurzfristige Tragfähigkeit nennt Yildirim konkrete Bedingungen: Er sieht die Nachhaltigkeit als „mittel“ und verknüpft sie mit weiter positivem Spot-CVD, kontrolliert steigendem Open Interest und idealerweise stabilem bis neutralem Funding; drehe der Spot-CVD ab oder steige das OI bei anziehendem Funding ohne Preisfortschritt, erhöhe sich das Rücksetzer-Risiko.
CryptoQuant Contributor Axel Adler Jr. weist indes auf ein Warnsignal hin:
„Der realisierte Nettogewinn/-verlust ist um 97 % gesunken und wieder bei Null. Das letzte Mal geschah dies im Juni 2022 – kurz vor dem Einbruch von $30.000 auf $16.000. Großinvestoren (Whales) befinden sich weiterhin im Plus (mit einem Puffer von 25–80 %), daher besteht noch keine Panik. Der Markt wird jedoch nicht von Käufern, sondern vom Fehlen von Verkäufern gestützt.”


