- Das US-Justizministerium will mehr Befugnisse für die Strafverfolgungsbehörden – unter anderem die Beschlagnahmung von Kryptowährung ohne richterliche Anordnung.
- Das soll präventiv gegen Betrug wirken, doch manche halten dies für unnötig, weil bereits Kryptowährung in Milliardenhöhe beschlagnahmt wurde – das sei Abschreckung genug.
Das Justizministerium der Vereinigten Staaten setzt sich für eine Ausweitung seiner Befugnisse zur Beschlagnahmung von Kryptowährung amerikanischer Bürger ein. Der Vorstoß für erweiterte Befugnisse kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Internal Revenue Service IRS eine umfangreiche Krypto-Überwachungsmaßnahme einleitet, die Bedenken über die potenziellen Folgen für Privatanleger weckt. Der Internal Revenue Service ist eine US-Bundes-Steuerbehörde, die in Deutschland keine Entsprechung hat, etwa in einem „Bundesfinanzamt“, da in Deutschland keine Bundessteuern erhoben werden.
Konfiszieren von Kryptowährung
Grundlage des Vorstoßes ist die Executive Order 14067 des Präsidenten vom vergangenen Jahr. Diese Durchführungsverordnung, die von Präsident Biden erlassen wurde, markiert einen bedeutenden Schritt zur Gestaltung der zukünftigen Regulierung von Kryptowährungen in den USA. Während einige zunächst ein hartes Durchgreifen gegen die Branche befürchteten, konzentrierte sich die Anordnung auf das Sammeln von Informationen und Empfehlungen verschiedener Behörden, um künftige politische Entscheidungen zu treffen.
Die Anordnung erstreckt sich auf vier Bereiche: Unterstützung der Strafverfolgung, Verbesserung der Ermittlungen, Ausweitung der Strafen für Verbrechen im Zusammenhang mit Kryptowährungen und Verstärkung der den Regierungsmitarbeitern zur Verfügung stehenden Ressourcen. Von besonderem Interesse sind die gewünschten erweiterten Befugnisse bei der Beschlagnahmung von Kryptowährungen.
Das Justizministerium argumentiert, dass diese Befugnisse eine Abschreckung gegen illegale Aktivitäten seien und ein Mittel, um Straftätern ihre unrechtmäßig erworbenen Gewinne zu entziehen. Folglich fordert das Justizministerium eine Ausweitung seiner Befugnisse in Bezug auf die straf-, zivil- und verwaltungsrechtliche Einziehung im Bereich der Kryptowährungen.
Fragwürdige Rechtfertigung?
Einige Kritiker behaupten jedoch, der Behörde würden die Instrumente zur effektiven Beschlagnahme von Kryptowährung fehlen. Historische Daten zeigen jedoch eine beachtliche Erfolgsquote in dieser Hinsicht. So beschlagnahmte das FBI zwischen 2014 und 2022 etwa 427 Millionen Dollar in Kryptowährungen, während der IRS zwischen 2018 und 2021 weitere 3,8 Milliarden US-Dollar beschlagnahmte. Diese beachtlichen Zahlen lassen Zweifel an der Dringlichkeit des Plädoyers des Justizministeriums für erweiterte Befugnisse aufkommen.
Ein zentraler Aspekt dabei ist die Rechtsgrundlage. Geht es nach der Behörde, entscheidet nicht ein Richter, sondern die beschlagnahmende Behörde, ob das Eigentum eingezogen werden soll.
Bedenken wegen Datenschutz und Missbrauchspotenzial
Da der IRS bereit ist, eine große Menge neuer Informationen über die Kryptoaktivitäten der Bürger zu sammeln, bestehen Bedenken hinsichtlich des möglichen Missbrauchs dieser Daten. Kritiker argumentieren, dass das Strafverfolger die umfassende Überwachung nutzen könnte, um Kryptowährung schon bei Verdacht krimineller Herkunft zu konfiszieren und nicht erst nach bewiesenem Sachverhalt. Angesichts der komplexen und oft missverstandenen Natur von Kryptotransaktionen besteht die Befürchtung, dass unschuldige Personen ins Fadenkreuz solcher Ermittlungen geraten könnten.
Diese Entwicklung unterstreicht ein breiteres Problem in Bezug auf die massenhafte Datenerfassung durch Regierungsbehörden. Ob es das Justizministerium ist, das erweitete Beschlagnahmungsbefugnisse anstrebt, der IRS, der seine Prüfungskapazitäten erweitern will, oder Kriminelle, die versuchen, Schwachstellen auszunutzen – riesige Regierungsdatenbanken werden zu verlockenden Zielen für Missbrauch, sowohl intern als auch extern.
Angesichts des Vorschlags des IRS, die Überwachung von Kryptowährungen zu verstärken, raten wir Personen, die im Bereich der Kryptowährungen tätig sind, wachsam zu bleiben, was die potenzielle Nutzung dieser Daten durch die Regierung angeht. Das Potenzial für eine verstärkte Beschlagnahmung, die eher auf einem Verdacht als auf konkreten Beweisen beruht, erfordert eine sorgfältige Prüfung der eigenen finanziellen Aktivitäten im Bereich der digitalen Währungen.

