- Russlands Zentralbank weiß, dass für das durch Sanktionen teilweise vom Weltmarkt abgekoppelte Land kein internationaler Zahlungsverkehr ohne Kryptowährung mehr möglich ist
- Nun will man Regelungen für Kryptowährungen schaffen, damit die starken Einschränkungen des Zugangs zum globalen Finanzsystem wenigstens teilweise kompensiert werden können
Nach monatelangem Ringen mit dem russischen Finanzministerium über die Regulierung des russischen Kryptomarktes hat die Bank von Russland schließlich zugestimmt, Kryptowährungen für internationale Zahlungen zu legalisieren, was zum großen Teil auf die wirksamen Sanktionen der westlichen Industrienationen zurückzuführen ist.
Einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur TASS vom Montag zufolge hat die Bank von Russland eingeräumt, dass „es unmöglich ist, auf grenzüberschreitende Abrechnungen in Kryptowährung zu verzichten“. Laut dem stellvertretenden Finanzminister Alexej Moissejew waren sich sowohl das Finanzministerium als auch die Zentralbank einig, dass es im derzeitigen Umfeld „keinen Ausweg ohne grenzüberschreitende Abrechnungen in Kryptowährung gibt“.
Die Zentralbank einigte sich schließlich mit dem Finanzministerium auf die Legalisierung von Kryptowährungen für internationale Transaktionen. Moiseev erklärte, dass die oberste Bank des Landes ihre Entscheidung überdacht habe, weil sich „die Situation geändert hat“.
Nach der Invasion seines osteuropäischen Nachbarn Ukraine wurde Russland bekanntlich von den westlichen Industrienationen mit Wirtschaftssanktionen belegt. Die Zulassung von grenzüberschreitenden Zahlungen in Kryptowährungen würde daher dazu beitragen, die Auswirkungen der verhängten beispiellosen Finanzsanktionen abzufedern, durch die der Zugang Russlands zu internationalen Zahlungsmechanismen stark eingeschränkt wurde.
Russland will einen Handlungsrahmen für Kryptowährungen
Seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine und den daraus resultierenden Sanktionen hat die russische Führung um einen Konsens über die Verwendung von Kryptowährung in der Russischen Föderation gerungen. Die Zentralbank hatte zuvor ein vollständiges Verbot von Kryptowährungen gefordert. Der de facto Diktator Putin unterzeichnete im Juli ein Gesetz, das die Verwendung von Kryptowährungen als Zahlungsmittel für Waren, Dienstleistungen und Produkte landesweit verbietet.
Nun erzwingen die offenbar wirkungsvollen Sanktionen eine 180 Grad Kehrtwende, und die Verwendung von Kryptowährung für internationale Transaktionen soll bald legitim sein. Der stellvertretende Finanzminister erklärte:
„Die Infrastruktur … ist zu starr für die Verwendung von Kryptowährungen bei grenzüberschreitenden Abrechnungen, die wir natürlich erst einmal irgendwie legalisieren müssen.“
Er betonte weiterhin die Notwendigkeit eines klaren Regelwerks für Kryptowährung in Russland, da viele Bürger derzeit auf ausländische Plattformen angewiesen seien, um Krypto-Wallets zu eröffnen.
„Das ist in Russland notwendig, da die von der Zentralbank beaufsichtigten Unternehmen verpflichtet sind, die Vorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche und zur Kenntnis ihrer Kunden einzuhalten.“
Der Schritt Russlands, internationale Krypto-Zahlungen zu legitimieren, ist eine erstaunliche Entwicklung, die die Argumente für Bitcoin als zensur-resistentes Geld verstärkt. Russland – wie auch viele andere Staaten – arbeitet derzeit an einer digitalen Zentralbankwährung. Diese wird, wenn sie denn irgendwann kommt, als weiteres Instrument gesehen, mit dem das Putin-Regime die internationalen Sanktionen umgehen will.

