- Garrett Jin sieht Ethereum als „KI-Top-Asset“. ERC-8004 soll Identität & Reputation autonomer Agenten on-chain nachweisbar machen und damit Machine-to-Machine-Use-Cases beschleunigen.
- Mehr Agenten-Aktivität könnte Gas/Blob-Fees erhöhen und über EIP-1559 potenziell mehr ETH verbrennen.
BitForex-Mitgründer Garrett Jin nennt Ethereum in einem X-Post vom 28. Januar das am besten positionierte Krypto-Asset für KI-getriebene Anwendungen. Auslöser ist ERC-8004: Der Standard soll Identität und Reputation autonomer Agenten on-chain nachweisbar machen.
„iPhone-Moment“ für Ethereum?
Jin bezeichnet das Update als „iPhone-Moment.”. Er stellt ETH als Infrastruktur-Profiteur der KI-Welle dar – im Gegensatz zu vielen klassischen Softwarefirmen, die er eher als Verlierer sieht. Sein Punkt: Für Agenten zählt am Ende weniger das Modell – sondern eine neutrale, vertrauenswürdige Ebene für Abwicklung und Koordination.
„Mit ERC-8004 kurz vor dem Mainnet glauben wir, dass dies einen ‚iPhone-Moment‘ markiert – einen Meilenstein für ETH als einen der primären Profiteure der KI-Welle auf der Application-Layer. Während die meisten börsennotierten Softwareunternehmen durch KI verdrängt oder zumindest unter Druck gesetzt werden, sticht ETH als knapper, zentraler Vermögenswert für KI-fähige Anwendungen heraus.“
Jin kritisiert zentralisierte KI als Black Box: Intransparenz und Zensurrisiken seien in geschlossenen Plattformen strukturell gegeben. Ethereum soll dieses Problem als Settlement- und Koordinationsschicht lösen. Sein Narrativ ist zweiseitig: Ethereum liefert Abwicklung und Koordination; KI erzeugt neue, stärker autonome Use Cases, die genau diese Ebene brauchen.
„Die ETH-+-KI-Beziehung ist nicht additiv. Sie ist tief symbiotisch: Ethereum liefert KI vertrauenswürdiges, dezentrales, manipulationssicheres Settlement und Koordination. KI wiederum versorgt Ethereum mit intelligenteren, effizienteren und wirklich autonomen Anwendungen.“
Konkret geht es um Machine-to-Machine-Prozesse: Agenten, die Aufgaben ausführen, Zahlungen anstoßen und Verträge schließen. Jins Gegenentwurf zu zentralisierten Modellen: Erkennung, Reputation und Verhalten sollen nicht in Silos bleiben, sondern an eine portable On-chain-Identität „via ERC-8004 und ähnliche Standards“ gekoppelt werden.
ERC-8004 wurde im August 2025 erstmals vorgestellt und soll diese Woche eingeführt werden. Die Ethereum Stiftung schrieb am Dienstag via X:
“ERC-8004 wird in Kürze im Mainnet eingeführt. Durch die Ermöglichung von Erkennung und portabler Reputation erlaubt ERC-8004 KI-Agenten die organisationsübergreifende Interaktion und gewährleistet so, dass Glaubwürdigkeit überallhin übertragen wird. Dies eröffnet einen globalen Markt, auf dem KI-Dienste ohne Gatekeeper interoperabel sein können.”
ERC-8004 is going live on mainnet soon.
By enabling discovery and portable reputation, ERC-8004 allows AI agents to interact across organizations ensuring credibility travels everywhere.
This unlocks a global market where AI services can interoperate without gatekeepers. https://t.co/Yrl0rvnSxj
— Ethereum (@ethereum) January 27, 2026
Für Jin ist das die Basisschicht einer offenen Agent-Ökonomie: Identität, Reputation und Validierung werden in separaten On-chain-Registern geführt. Das Ziel ist eine Reputation, die nicht an einen einzelnen Betreiber gebunden ist, sondern sich zwischen Anwendungen mitnehmen lässt.
So könnte der ETH-Kurs profitieren
Ökonomisch könnte Ethereum massiv profitieren. Gas- und Blob-Gebühren, die via EIP-1559 teilweise ETH verbrennen, sorgen für einen deflationären Druck, der letztlich den Ethereum-Kurs beflügeln könnte.
Und laut Jin ist das Potenzial riesig. Autonome Agenten haben eine hohe Frequenz, machen unzählige Mikrotransaktionen und zusätzliche Aufrufe (Identitäts-Proofs, Koordination, Validierungen). Im Rahmen dessen verweist er auf Prognosen, wonach KI-Agenten bis Ende 2025 etwa 15–20% des DeFi-Volumens stellen könnten; für 2026 nennt er als Szenario 30–40% quartalsweises Gas-Wachstum.
Daraus leitet er ab: Wenn Agenten die Kette häufiger nutzen, steigen Gebühren – und damit potenziell auch die Burn-Rate und der ETH-Kurs.
Parallel sieht Jin KI als Beschleuniger für RWA-Aktivität: Automatisierte Bewertung, Compliance-Checks, Risikoüberwachung und dynamische Preisbildung könnten tokenisierte Real-World-Assets effizienter und auditierbarer machen – besonders in institutionellen Setups, etwa Fondsstrukturen. Aus seiner Perspektive könnten KI-getriebene Aktivitäten langfristig zur „zweitgrößten Gebührenquelle nach Stablecoins“ werden.
Im Vergleich zu Solana positioniert Jin Ethereum klar vorn. Er sieht Defizite bei Solana in drei Bereichen, die für Agent-zu-Agent-Interaktionen zentral seien: Vertrauen, Reputation und Finalität.
“Es existiert kein offizielles oder von einem Ökosystem getragenes standardisiertes Vertrauensframework, das mit ERC-8004 vergleichbar wäre. Die historische Stabilität und Dezentralisierung des Netzwerks werden von Institutionen weiterhin als Schwächen betrachtet. Die Abwicklung ist eher auf hohe Durchsatzraten als auf maximale Sicherheit und endgültige Transaktionsabwicklung ausgerichtet.”

