- Die Lage in den USA sorgt in Berlin für Unruhe. Kritiker warnen, dass Deutschland nicht an sein Gold käme, sollte es Washington einfallen, den Zugang zu sperren.
- Die FDP-Politikerin Strack‑Zimmermann fordert deshalb die Rückführung des Goldes aus den USA und verlangt von der Bundesregierung eine klare Risikobewertung.
Deutschland hält mit rund 3.350 Tonnen Gold die zweitgrößte Goldreserve der Welt. Davon lagern 1236 in der US-Zentralbank-Dependance in New York. Im Kalten Krieg waren schnelle Dollar-Konvertibilität und die Nähe zur Wallstreet ein Vorteil.
Der Kalte Krieg ist zwar inzwischen abhanden gekommen, aber das Gold ist immer noch da – Macht der Gewohnheit. Doch die könnte sich angesichts des irrlichternden Bewohners der Pennsylvania Avenue 1600 jetzt auch als kolossale Dummheit herausstellen.
Die Argumente der Kritiker: Die Lagerung von Goldreserven im Ausland sei ein unnötiges geopolitisches Risiko und gefährde die wirtschaftliche Unabhängigkeit Deutschlands. Auch die eingeschränkten Möglichkeiten zur physischen Prüfung der Bestände – Audits sind nur in streng kontrollierten Stichproben möglich – nähren Zweifel an der tatsächlichen Kontrolle über das Gold.
Stabilität zum Preis der Abhängigkeit?
Die Deutsche Bundesbank verweist jedoch auf die Vorteile der internationalen Lagerung. Die New Yorker Zentralbank-Niederlassung gelte seit Jahrzehnten als verlässlicher Verwahrer, und die Nähe zu den globalen Handelsplätzen ermögliche im Krisenfall schnelle Transaktionen. Zudem sei die geografische Streuung ein Sicherheitsfaktor. Deswegen lägen weitere 405 Tonnen Bundesbank-Gold bei der Bank von England in London.

Doch diese Argumente verlieren an Überzeugungskraft, je stärker die geopolitischen Spannungen wachsen. Die Frage, ob Deutschland im Ernstfall tatsächlich frei über seine Reserven verfügen könnte, bleibt unbeantwortet.
Die Souveränitätsfrage
Die Debatte über das Gold ist längst mehr als eine technische Frage der Lagerlogistik. Sie berührt Grundfragen der Souveränität, der transatlantischen Beziehungen und der strategischen Vorsorge. In einer Welt, in der wirtschaftliche Macht zunehmend als politisches Druckmittel eingesetzt wird, erscheint die Abhängigkeit von einem ausländischen Verwahrort vielen als unnötiges Risiko.
Sollte die Bundesregierung eine Rückholung einleiten, könnte es zum nächsten Krisenfall zwischen Berlin und Washington kommen. Übrigens stellt sich dieselbe Frage aktuell auch für Italien, die Niederlande, Belgien, Schweden und Österreich.
Auch sie haben mehr oder weniger große Teile ihrer Goldreserve im Keller der Zentralbank in New York.

