- IOTA rückt Handel, Trade Finance und grenzüberschreitende Zahlungen ins Zentrum seiner Strategie.
- Mit TWIN will das Projekt eine globale Vertrauensebene für den internationalen Handel schaffen.
Beim World Crypto Forum in Korea Mitte Februar erklärte IOTA-Mitgründer Dominik Schiener, dass das Projekt gezielt eine Infrastruktur für Handel, Handelsfinanzierung und grenzüberschreitende Zahlungen aufbaut. Damit möchte sich das Projekt vom Krypto-Casino absetzen. Schiener erklärte:
„Seit der Gründung von IOTA haben wir immer gesagt, dass Blockchain nur dann Sinn ergibt, wenn sie in der realen Welt genutzt wird. Es geht nicht darum, ein Casino aufzubauen. Es geht nicht nur um Trading-Anwendungsfälle. Es geht vielmehr darum, wie wir sicherstellen können, dass Branchen, Regierungen und Menschen wirklich von dieser Technologie profitieren.”
At the @wkforum in Korea, @DomSchiener explains how IOTA is replacing archaic paper systems with a „Digital Highway“ for global trade.
➡️ From Kenya to the UK, IOTA is proving that blockchain can be an infrastructure to bring the world onchain.
Full interview:…
— IOTA (@iota) March 17, 2026
Vor zwei Jahren habe die IOTA Stiftung deshalb die strategische Ausrichtung neu definiert:
„Wir haben gesagt: Nein, wir konzentrieren uns nur auf Handel. Wir konzentrieren uns auf die Digitalisierung des Handels, auf Trade-Finance-Lösungen und auf Zahlungen für den grenzüberschreitenden Handel. Das war unser Fokus, und das war auch unser Erfolg.“
Im Zentrum dieser Strategie steht TWIN, die digitale Handelslösung von IOTA. Diese ist laut Schiener keine Konkurrenz zu bestehenden nationalen Plattformen, sondern eine zusätzliche Ebene für internationale Vertrauensbildung.
„Wir konkurrieren nicht mit den nationalen Single-Window-Systemen. Wir konkurrieren nicht mit den nationalen Handelssystemen. Stattdessen bauen wir die internationale Autobahn“, sagte er. Länder sollten dadurch nicht ihre bestehenden Systeme ersetzen, sondern ihre lokalen Daten mit einer globalen Infrastruktur verbinden, die den Export in andere Märkte erleichtert.
Warum IOTA diesen Ansatz für notwendig hält, begründete Schiener mit den strukturellen Schwächen des heutigen Handels:
„Die größten Vertrauensprobleme, die wir gesehen haben, entstehen wirklich in diesem grenzüberschreitenden Kontext. Wie kann ein Land einem anderen Land vertrauen? Wie kann ein Exporteur den Daten eines Importeurs vertrauen? Deshalb ist im Handel heute noch immer alles papierbasiert.“
IOTA habe intern lange gescherzt, der größte Konkurrent seien Papierdokumente. Tatsächlich, so Schiener, sei der Handel bis heute „ein sehr archaisches System“, in dem Papierunterlagen für Zollbehörden, Häfen und Banken oft noch die maßgebliche Wahrheitsquelle seien.
Afrika spielt eine zentrale Rolle
Schiener sagte, IOTA habe vor fünf Jahren in Kenia gemeinsam mit der kenianischen Steuerbehörde, der Regierung und TradeMark Africa einen ersten Pilot gestartet, um Handelsdokumente zu digitalisieren und papierbasierte Prozesse auf die Blockchain zu bringen. Inzwischen sei man in einer neuen Phase angekommen:
„Im November vergangenen Jahres hatten wir gemeinsam mit der AfCFTA, mit TradeMark Africa und mit dem Tony Blair Institute, das ebenfalls einer unserer Partner ist, eine sehr große Ankündigung, um den gesamten afrikanischen Kontinent zu digitalisieren. Es ist eine riesige Vision, 55 Länder in Afrika über IOTA und diese digitale Handelslösung zu verbinden, die wir aufbauen.“
Dadurch solle der innerafrikanische Handel zunehmen, während Kosten, Zahlungsdauer und Zahlungsaufwand sinken. Für 2026 kündigte Schiener eine weitere Expansion an. Noch in diesem Jahr wolle IOTA drei weitere Länder an die Handelslösung anbinden. In Kenia soll das System zudem bis Ende des zweiten Quartals in den Produktivbetrieb übergehen, nachdem es bislang vor allem in einem Pilot für die Blumenindustrie genutzt wurde.
Auch im Vereinigten Königreich verwies Schiener auf erste Erfolge. Schiener zufolge wurden in den vergangenen zwei Jahren in Pilotprogrammen an mehreren britischen Häfen rund 4.000 Sendungen zwischen Polen und dem Vereinigten Königreich abgewickelt. Der Vorteil liege vor allem in der Geschwindigkeit.
„Wenn bei einem Papierdokument nur ein Fehler vorhanden ist, muss die gesamte Sendung verworfen werden. Was wir getan haben, ist die Digitalisierung der Zertifikate, der Exportzertifikate und aller Handelsdokumente. Mit unserer Lösung konnten die Waren innerhalb von Stunden freigegeben werden – etwas, das normalerweise zwei Tage gedauert hat.“
Darüber hinaus will IOTA die Tokenisierung mit der Finanzierung verbinden. Schiener verwies auf Projekte in Ruanda, bei denen kritische Mineralien als physische Vermögenswerte tokenisiert wurden.
„Heute zahlen diese Unternehmen rund 20 Prozent Zinsen, um Handelsfinanzierung zu erhalten. Stellen Sie sich vor: 20 Prozent des gesamten Werts gehen verloren, nur weil man Zugang zu Liquidität braucht.“
Neuer Fokus auf UK und Korea
In einem ersten Pilotprojekt im Umfang von mehreren Millionen Dollar habe IOTA Vermögenswerte tokenisiert, Lagerbelege und Eigentumstitel digital abgebildet und Zahlungen in Stablecoins ermöglicht, damit Produzenten schneller und günstiger an Kapital kommen.
Neu ist der Fokus auf Korea. IOTA wolle dort mit lokalen Handelssystemen kooperieren:
„Es gibt keine Menge an Verträgen, keine Menge an Konsortien oder Standards, die wirklich mit dieser erlaubnisfreien globalen gemeinsamen Wahrheitsquelle konkurrieren können, die durch eine Blockchain ermöglicht wird. Denn mit der Blockchain, mit IOTA, können wir wirklich den Ursprung der Daten beweisen. Wir können die Echtheit der Daten beweisen, und wir können beweisen, dass die Daten nicht manipuliert wurden.“
Laut Schiener soll TWIN weltweit zu einer SWIFT des grenzüberschreitenden Handels werden: offen, konsortial organisiert und eng mit Regierungen verzahnt.

