- Die Fed hat mit ihrem hawkishen Signal die Zinserwartungen für 2026 deutlich verschoben, was den makroökonomischen Druck auf Bitcoin erhöht.
- Gleichzeitig zeigt Bitcoin relative Stärke durch spotgetriebene Nachfrage, bleibt charttechnisch aber anfällig.
Die gestrige Fed-Zinsentscheidung hat die Erwartungen für 2026 deutlich verschoben und den Optimismus im Bitcoin-Markt der letzten Tage wieder etwas gedämpft. BloFin Research wertet die Sitzung in einem X-Post am Donnerstag als Wendepunkt:
„Über Nacht schlug Powell erneut einen restriktiveren Ton an. Er warnte, dass die Auswirkungen der Lage im Nahen Osten auf die US-Wirtschaft ‚unsicher‘ seien. Die Energiepreise werden die kurzfristige Inflation nach oben treiben.“
Die Makro-Aussichten haben sich erheblich getrübt
Der Kernpunkt aus Marktsicht: Wenn der Inflationspfad nicht überzeugend nach unten zeigt, dürfte die Fed die Tür für Zinssenkungen enger halten als bislang gehofft. BloFin verweist darauf, dass inzwischen 7 von 19 Fed-Mitgliedern für 2026 überhaupt keine Zinssenkung mehr sehen. Das ist eine andere Ausgangslage als noch vor wenigen Wochen.
Fed votes 11-1 to leave benchmark interest rate in a target range of 3.5%-3.75%. Governor Miran voted against the decision in favor of lowering rates by a quarter-point. Fed says implications of Middle East developments uncertain. Fed maintains projections for one rate cut in… pic.twitter.com/4BY48CQv5R
— Holger Zschaepitz (@Schuldensuehner) March 18, 2026
Hinzu kommt eine zunehmend unangenehme Makrolage. Das vierte Quartal 2025 wurde beim BIP auf nur noch 0,7 % annualisiert nach unten revidiert, nach 4,4 % im dritten Quartal. Gleichzeitig blieb die Inflation zäh: Der Core-PCE legte im Dezember und Januar jeweils um 0,4 % gegenüber dem Vormonat zu, auf Jahressicht stieg er auf 3,1 % – der höchste Stand seit dem Frühjahr 2024. Der von BloFin zitierte Truflation-PCE lag im März bereits über 2,41 %. Besonders scharf fiel die Einordnung der Inflationsquellen aus:
„Zölle machen etwa die Hälfte bis drei Viertel der Kerninflation aus. Der Iran-Krieg treibt den Ölpreis über 100 Dollar. Beides bringt das Handbuch der Fed durcheinander.“
BREAKING: In a stunning moment, Jerome Powell just directly blamed Donald Trump’s tariffs for causing inflation to skyrocket. Holy cow. pic.twitter.com/4cUViOQ8N7
— Democratic Wins Media (@DemocraticWins) March 18, 2026
Ob man diese Lesart vollständig teilt oder nicht: Für Risikoanlagen zählt, dass der Markt einen restriktiveren Pfad neu einpreisen muss.
Gerade deshalb war die Reaktion von Bitcoin in den letzten Tagen bemerkenswert. BloFin zufolge liegt BTC seit dem Ausbruch des Konflikts am 27. Februar rund 13 % im Plus und hat damit sowohl Gold als auch Tech-Aktien übertroffen. Zugleich habe sich die Korrelation zum Software-Sektor zuletzt sichtbar gelockert. Noch wichtiger: Diese Bewegung scheint nicht von aggressivem Leverage getrieben zu sein. BloFin schreibt:
„Die Entkopplungs-Erzählung ist zurück, und sie ist nicht hebelfinanziert. Die Funding-Rates bei Perpetuals bleiben negativ, was zeigt, dass gehebelte Long-Positionen diese Bewegung nicht anführen. Die Rally wird von Spot-Nachfrage getragen.“
Ein Spot-getriebener Anstieg gilt in der Regel als robuster als ein Lauf, der primär auf überfüllten Futures-Positionen basiert. Noch vor dem FOMC-Meeting gab es gestern jedoch einen weiteren Dämpfer.
Die Erzeugerpreise in den USA stiegen im Februar 2026 (noch vor Beginn des Iran-Kriegs) unerwartet stark an: Der PPI legte im Monatsvergleich um 0,7 % und im Jahresvergleich um 3,4 % zu und übertraf damit die Prognosen von 0,3 % bzw. 2,9 % deutlich.
BREAKING: US February PPI inflation rises to 3.4%, above expectations of 2.9%.
Core PPI inflation rises to 3.9%, above expectations of 3.7%.
Core PPI inflation is at its highest since February 2023 and this data does not include the Iran war.
Rate cuts are being priced-out.
— The Kobeissi Letter (@KobeissiLetter) March 18, 2026
Der restriktive Dot-Plot der US-Notenbank lieferte dann den zweiten Dämpfer für Risiko-Assets wie Bitcoin.
Bitcoin-Kurs könnte auf 52,50o USD fallen
Dementsprechend ist die technische Lage für den Bitcoin-Kurs weiterhin fragil. Während Bitcoin, getragen vom bullischen Momentum, am Dienstag bis auf 76.000 Dollar stieg, erfolgte anschließend ein harscher Rücksetzer.
Der renommierte Chart-Analyst Aksel Kibar verweist auf seine frühere Analyse eines bärischen Keilmusters von Mitte November letzten Jahres bis Mitte Januar dieses Jahr und sieht nun die Möglichkeit, dass sich erneut eine ähnliche Struktur bildet. Seine Warnung ist bewusst vorsichtig formuliert, nicht prognostisch, aber die Gefahr ist real:
„Siehe meine damalige Analyse des vorherigen bärischen Keilmusters. Ein ähnliches Muster könnte sich gerade entwickeln. Dies ist keine Prognose. Ein Durchbruch der unteren Begrenzungslinie wäre das Signal für eine mögliche Bewegung in Richtung 52.500 Dollar.“


