- Die Britische Barclays Bank prüft aktuell mehrere Blockchain-Systeme auf die Möglichkeit, Bankprozesse für das Tagesgeschäft zu digitalisieren.
- Man ist in Kontakt mit mehreren spezialisierten Technologieanbietern und will im April eine Vorauswahl treffen.
Damit gehört die Barclays Bank zur wachsenden Zahl internationaler Banken, die dabei sind, Digital-Assets und Onchain‑Transaktionsverfahren in ihr operatives Geschäft zu integrieren.
Während Konkurrenten wie JPMorgan und die HSBC bereits produktive Systeme für tokenisierte Einlagen betreiben, befindet sich Barclays noch in der Evaluierungsphase, setzt aber auf einen beschleunigten Entscheidungsprozess.
Stablecoins und tokenisierte Einlagen als Säulen
Im Mittelpunkt der Überlegungen stehen zunächst Stablecoin‑basierte Zahlungen und tokenisierte Einlagen.
Stablecoins entwickeln sich zu einem relevanten Instrument im globalen Zahlungsverkehr, da sie rund um die Uhr schnelle, kostengünstige Transaktionen erlauben.
Bloomberg Intelligence prognostiziert, dass Stablecoins bis 2030 ein jährliches Zahlungsvolumen im zweistelligen Billionenbereich erreichen können. Für die Banken entsteht dadurch ein Umfeld, in dem klassische Zahlungsmodelle unter Druck geraten werden.
Tokenisierte Einlagen bieten eine regulatorisch anschlussfähige Alternative, da sie weiterhin als Bankeinlagen gelten und damit nicht in den Bereich frei umlaufender Kryptowährungen fallen.
Barclays prüft, wie diese Instrumente in bestehende Systeme integriert und für institutionelle Kunden nutzbar gemacht werden können.
Der Wettbewerb
JPMorgan hat mit dem JPM Coin bereits einen institutionellen Zahlungstoken im Einsatz, der für interne und grenzüberschreitende Abwicklungen genutzt wird.
Die HSBC arbeitet parallel an der Ausweitung tokenisierter Einlagenangebote in mehreren Regionen. Barclays sieht sich gezwungen, technologisch aufzuschließen, um im internationalen Firmenkundengeschäft wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die geplante Umstellung auf Blockchain soll eine kontinuierliche Abwicklung ohne Cut‑Off‑Zeiten ermöglichen und gleichzeitig die regulatorischen Anforderungen Großbritanniens und der EU erfüllen.
Die Bank reagiert damit auch auf Entwicklungen im Technologiebereich, da Social-Media-Unternehmen wie Meta Stablecoin‑Zahlungen in ihre Anwendungen integrieren und damit in direkte Konkurrenz zu den Banken treten.
Bedeutung für Europa und den DACH‑Raum
Die kommende Transformation der Barclays-Systeme fällt in eine Phase, in der europäische Banken durch die MiCAR, das DLT‑Pilotregime und die zunehmende Tokenisierung traditioneller Finanzinstrumente vor richtungsweisenden Entscheidungen stehen.

Die Frage, ob Banken eigene Onchain‑Infrastrukturen entwickeln oder auf externe Netze setzen, wird zunehmend zu einer Kernfrage für die kommenden Jahre. Barclays könnte mit seinem Blockchain-Projekt ein Modell liefern, das zeigt, wie etablierte Banken digitale Vermögenswerte ohne Reibungsverluste in bestehende Systeme integrieren.
Für den DACH‑Raum ist die Entwicklung relevant, weil sie den Druck innerhalb Europas erhöht, vergleichbare Initiativen zu starten und bestehende Projekte zu beschleunigen.

