- Auf X wächst die Spekulation, dass Jane Street den Bitcoin Kurs gezielt über Spot ETFs und Futures-Märkte gedrückt haben könnte.
- Belastbare Belege dafür fehlen bisher, während Kritiker eher auf strukturelle Schwächen der ETF-Architektur verweisen.
Die Verschwörungstheorie, dass Jane Street den Bitcoin-Kurs manipuliert, hat auf X in den letzten Tagen erneut an Fahrt aufgenommen. Auslöser war die Klage des Insolvenzverwalters von Terraform Labs gegen Wall Street Gigant Jane Street wegen eines möglichen Insider-Trades beim Zusammenbruch des Terra-Ökosystems.
Die Theorie: Jane Street manipuliert Bitcoin
In einem viralen X-Post verweist Roberto Rios (auf X: @peruvian_bull) auf die in Manhattan eingereichte Klage, wie CNF berichtete. Rios schreibt, die Terra-Klage muss im Kontext gesehen werden. Er verweist dazu auf ein Verfahren der indischen Börsenaufsicht SEBI. Diese warf Jane Street im Juli 2025 vor, an 18 Tagen zwischen Januar 2023 und März 2025 den Bank-Nifty-Index gezielt manipuliert zu haben.
Laut der Behörde kaufte das Unternehmen morgens aggressiv Aktien und Futures, drückte den Markt später wieder nach unten. Damit profitierte Jane Street von massiven Short-Optionspositionen. Die SEBI spricht von umgerechnet rund 580 Millionen US-Dollar an unrechtmäßigen Gewinnen und von einem „bewusst entworfenen Instrument zur Manipulation von Abrechnungspreisen“.
Vor diesem Hintergrund sei die Bitcoin-Kursentwicklung seit November 2025 zu betrachten. Der Bitcoin-Kurs sei immer wieder pünktlich um etwa 10:00 Uhr US-Ostküstenzeit, also zum Start des US-Aktienhandels, gecrasht. Rios und andere führen unzählige Handelstage an, an denen Bitcoin binnen Minuten zum US-Börsenstart stark fiel.
Der Verdacht richtete sich vor allem deshalb auf Jane Street, weil die Firma zu den Authorized Participants des BlackRock-ETF IBIT gehört und damit direkten Zugang zum Emissions- und Rücknahmeprozess von ETF-Anteilen hat. Andererseits führt Rios an, dass Jane Street laut 13F-Meldungen nach Millennium Management LLC der zweitgrößte Halter des BlackRock Spot Bitcoin ETFs IBIT ist.
Seine These: Morgens Spot-Bitcoin und ETF-nahe Produkte verkaufen, den Markt drücken, gehebelte Longs aus dem Markt spülen, später günstiger zurückkaufen. Mit der Klage von Terraform Labs gegen Jane Street hat das Muster plötzlich aufgehört. Bitcoin ist gestern um mehr als 7% gestiegen, weil der “10am Dump” nicht stattfand. Jane Street ist aufgeflogen, so die Theorie.
Warum vermutlich keine „Manipulation“ vorliegt
ProCap CIO und Bitwise-Berater Jeff Park widerspricht der Theorie, sieht aber ein anderes strukturelles Problem. Für ihn ist die “milliardenschwere Frage” nicht, ob ein einzelnes Wall Street-Unternehmen Bitcoin aktiv „drückt“, sondern ob die ETF-Architektur Preisbildung verzerren kann. Via X schrieb er am 25. Februar:
„Die kurze Antwort lautet, dass kein Authorized Participant den Bitcoin-Preis ausdrücklich unterdrückt. Was die AP-Struktur unterdrücken kann, ist die Integrität des Preisfindungsmechanismus selbst. Das ist nicht dasselbe – aber Letzteres ist womöglich folgenreicher.“
Park argumentiert, dass Authorized Participants durch regulatorische Ausnahmen unter Reg SHO strukturell privilegiert seien. Sie könnten ETF-Anteile im Rahmen von Creation- und Redemption-Prozessen in einer Weise schaffen und leerverkaufen, die für andere Marktteilnehmer so nicht möglich sei.
Entscheidend sei zudem, dass ein Short in IBIT nicht zwingend mit Spot-Bitcoin gehedgt werden müsse. Wenn stattdessen Futures genutzt werden, entstehe kein unmittelbarer Kaufdruck im Spotmarkt. Mit der jüngsten Zulassung von In-kind-Creations und -Redemptions sei diese Flexibilität noch größer geworden. Er schreibt:
„Jeder AP auf der IBIT-Liste operiert innerhalb desselben strukturellen Rahmens, mit denselben Ausnahmen und somit mit derselben theoretischen Kapazität. Ob einer von ihnen diese Kapazität auf eine Weise nutzt, die an koordinierte Aktivitäten grenzt, ist eine Frage […] für die SEC. Ob diese Vereinbarungen ausreichen, um Verhaltensweisen zu erfassen, die sich gleichzeitig über Spot-, Futures- und ETF-Märkte erstrecken – einschließlich Offshore-Handelsplätze –, bleibt offen.”
Makro-Analyst Alex Krüger widerspricht jedoch der Grundannahme, dass es einen markanten “10am Dump” gibt, und zwar auf Basis der Datenlage. Für ihn ist die Theorie „eine weitere fehlerhafte Verschwörungstheorie“. Er schreibt heute via X:
„Ich habe die Daten geprüft, und das stimmt nicht. Seit dem 1. Januar liegt die kumulierte Rendite von IBIT im Zeitfenster von 10:00 bis 10:30 Uhr bei +0,9 % und im Zeitfenster von 10:00 bis 10:15 Uhr bei -1 %. Es handelt sich also um Schwankungen, nicht um einen systematischen Kurssturz.
Noch interessanter: Die Performance in beiden Zeitfenstern entspricht weitgehend der des Nasdaq. Der angebliche „10-Uhr-Dump“ ist lediglich eine allgemeine Neubewertung von Risikoanlagen. Die gängige Meinung ist falsch.”

