- Etliche Krypto‑Medien verbreiten heute die Behauptung, Venezuela habe unter dem Maduro-Regime eine Krypto‑Reserve von bis zu 660.000 Bitcoin aufgebaut.
- Das entspräche bis zu 67 Milliarden Dollar. Die Berichte berufen sich auf Analysten, die angeblich Zugang zu Geheimdienst-Informationen haben.
Auffällig ist jedoch, dass keine renommierte Wirtschaftsredaktion – weder Reuters noch Bloomberg, nicht die Financial Times und nicht das Wallstreet Journal – diese Zahl aufgreifen oder gar bestätigen. Auch internationale Institutionen wie der IWF oder die Weltbank melden keinerlei entsprechende Daten. Damit ist die Meldung reine Spekulation.
Wie die angebliche Mega‑Reserve entstanden sein soll
Die Berichte beschreiben übereinstimmend das Szenario, Venezuela habe seit 2018 systematisch traditionelle Assets in schwer sanktionierbare Kryptowährung umgewandelt.
So soll es zwischen 2018 und 2020 Goldverkäufe im Wert von rund zwei Milliarden Dollar gegeben haben, und dafür seien dann zu den damals vergleichsweise niedrigen Kursen Bitcoins gekauft worden.
Außerdem habe es seit 2023 Ölexporte gegeben, bei denen die staatliche Ölgesellschaft PDVSA Zahlungen in Bitcoin akzeptiert habe.
Und schließlich soll das Maduro-Regime ganze Mining‑Farmen enteignet und deren Bitcoin-Bestände und Folge-Gewinne kassiert haben.
All das ist möglich und könnte zu der Summe der kolportierten mehr als 600.000 Bitcoin geführt haben. Doch wie das mit Gerüchten so ist: Möglich ist alles, bewiesen ist nichts und in diesem Fall schon gar nicht durch öffentlich nachvollziehbare Onchain‑Daten.
Unbewiesene Behauptungen
Die Berichte tauchten nach Maduros Festnahme durch das US‑Militär auf. Tatsächlich würde eine Bitcoin‑Reserve dieser Größenordnung Venezuela zu einem der größten Bitcoin‑Investoren der Welt machen, in der Liga von Strategy.
Dafür spricht:
Venezuela ist seit Jahren mit massiven US‑Sanktionen wegen Korruption und Drogenhandel belegt, die insbesondere das Finanzsystem und Einzelpersonen im Maduro-Machtzirkel betrafen. Es ist plausibel, dass Bitcoin als Instrument zur Sanktionsumgehung verwendet worden ist.
Außerdem ist belegt, dass Venezuela mit China und Russland enge Wirtschaftsbezieheungen hatte. In diesem Umfeld sind intransparente Zahlungswege zur Vermeidung von US-Sanktionen nicht abwegig.
Dagegen spricht:
Weder der IWF, die Weltbank und die Financial Times, das Wallstreet Journal oder Bloomberg und Reuters vermelden irgendetwas über angebliche venezolanische Bitcoins.

Gesichert hingegen ist, dass Venezuela rund 60 Milliarden Dollar Auslandsschulden hat und schon mehrfach kurz vor dem Staatsbankrott stand. Da käme eine schöne Bitcoinreserve von zufällig derselben Summe gerade recht. Plausibler wird sie dadurch aber nicht.

